« Bildhauerei behandelt … nicht nur die Frage der äußeren Form, sondern vor allem auch nach der Verortung dieser Form im Raum. Bei raumgreifenden Installationen, Wandarbeiten oder für bestimmte Räume konzipierten Arbeiten ist das offensichtlich, aber es gilt auch für die Bronzearbeiten von Antonia Leitner: die Skulpturen stehen in einem bestimmten Verhältnis zum Raum, ganz konkret: sie spiegeln den Raum. Fensterrahmen, Decke, andere im Raum befindliche Kunstwerke und vor allem auch der Betrachter selbst werden als Spiegelung auf der Oberfläche sichtbar. Sie legen sich wie eine Haut auf die feste Form drauf. Dabei verändern sie sich kontinuierlich, je nach Lichteinfall und eigenem Standpunkt. Niemand von uns sieht dasselbe Kunstwerk, denn jeder sieht andere Spiegelungen. Und auch wenn man sich nicht bewegt, können diese Spiegelungen wenige Sekunden später schon wieder ganz anders aussehen. (…) Trotz ihrer äußerlich festen Form, gewinnen die Bronzen durch ihre spiegelnde Oberfläche eine gewisse Flüchtigkeit, etwas Fließendes, das sie wie eine Erinnerung an den Herstellungsprozess des Gießens umweht; die Spiegelungen verleihen ihnen etwas Bewegtes, Lebendiges. Aus dem schön geformten, aber toten Feuerstein, ist ein glänzender Körper geworden, der in Kontakt mit seinem Umfeld steht. »

– Metzdorf Julie, 9. August 2016, aus der Eröffnungsrede der Ausstellung “Wandelnde Strukturen” in der Akademie der Bildenden Künste München